Fuegos Geschichte

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Wie die Ponys den Himmel auf Erden holen

Hallo,

ich sitze gerade zu Hause und habe Corona und darf deshalb nicht zu Fuego und Kjesta, meinen Ponys. Fuego hat sich eine Geschichte von mir gewünscht, weil er mich so lange nicht gesehen hat. So habe ich ihm diese Geschichte erzählt, oder er mir?

Also, es war einmal.
Es war einmal eine Schar kleiner Engel, die in den Bergen gespielt haben. Und weil Sie so in ihr Spiel vertieft waren, haben sie nicht auf den Weg geachtet und sich verlaufen. Um sie herum waren überall Berge und überall Wälder. Anfangs dachten Sie noch, dass Sie den Heimweg schon finden würden, wenn sie etwas umhergingen. Mit Sicherheit würden Sie um die nächste Ecke irgendwas wiedererkenne. Aber da war nichts was sie wiedererkannt hätten. Und so wurde es langsam dunkel und sie wußten immer noch nicht, wie sie wieder zurück zu Ihren Wolken kommen sollten. Zumal sie dazu an die Stelle müssen, an der sie auch auf die Erde heruntergekommen sind. Sie wurden immer betrübter und ängstlicher. Während die Engel so dasaßen haben sie gar nicht gemerkt, dass eine Gruppe Ponys in ihre Nähe gekommen war. Es waren zottelige Ponys mit langen Haaren, starken Hufen, kleinen Ohren und klugen Augen. Und irgendwie sahen sie so aus, als lebten sie schon immer dort in dieser Gegend.
Die Engel fragten: „könnt ihr uns helfen? Wir haben uns verlaufen wir wissen nicht mehr, wie wir nach Hause kommen sollen?“
Die Ponys waren verwirrt: „Aber wir sind doch schon zu Hause“.
Die Engel sagten: „Hier ist euer zu Hause, aber unser Zuhause ist im Himmel und wir wollten nur einen kleinen Ausflug auf die Erde machen und jetzt haben wir uns total verlaufen“.
Jetzt waren die Ponys noch mehr verwirrt. Sie konnten sich überhaupt nicht vorstellen, dass Andere ein anderes Zuhause haben und dass man nicht mehr weiß, wie man wieder nach Hause kommt. In so einem Ponykopf ist immer der Weg nach Hause.
Darum wurden die Ponys wurden neugierig: „Okay, wir können ja einen Deal machen: Wir bringen euch dahin, wo ihr hinmöchtet und dafür zeigt ihr uns den Himmel“.
Die Engel haben eine Zeitlang beratschlagt, weil sie eigentlich kein Wesen von der Erde in den Himmel mitnehmen dürfen. Da sie aber nicht wussten, wie sie sonst nach Hause kommen sollten, haben sie eingewilligt. Die Ponys haben sodann die Engel eingeladen auf ihren breiten Rücken Platz zu nehmen. „Wir sind stark und warm und wir tragen euch gerne.“ Die Herde mit Ponys und Engeln hat die halbe Nacht nach der Stelle gesucht, wo die Engel das Tor zum Himmel verlassen haben. Die Ponys sind stark und haben eine gute Kondition und laufen, bergab und bergauf und können das auch im Dunkeln ohne Probleme. Und dann, im Morgengrauen ruft einer der Engel: „Ich glaube, hier ist es“. Und wirklich, sie hatten den Eingang zu Ihrer Welt gefunden. Es sah aus wie ein Flirren des Lichtes an einer Stelle neben einem Felsen. „Wenn man nicht aufpaßt läuft man einfach vorbei.“ Die Pferde hatten zunächst Angst: „Ist das gefährlich für uns ?“ Aber die Engel konnten sie beruhigen. „Nein das ist nur der Eingang in unsere Welt und weil ihr uns so lieb geholfen habt, möchten wir euch einladen uns in unserer Welt zu besuchen. Ihr habt uns in eurer Welt begleitet und wir begleiten euch jetzt in unserer Welt.“ Die Ponys waren ganz aufgeregt, so was hatten sie noch nie gesehen und damit kannten sie sich überhaupt nicht aus. „Was müssen wir tun?“ „Ihr müsst nur durch dieses flirrende Licht gehen und danach seid ihr in der anderen Welt. Aber ihr müsst aufpassen, ihr könnt euren Körper nicht mitnehmen. In der anderen Welt seit ganz Seele. Das das ist ein bißchen tricky zu verstehen.“ Die Ponys waren sehr aufgewühlt, Pferde sind Wesen der Erde. Für sie ist es völlig selbstverständlich in ihrem Körper zu leben. Ohne seinen Körper kann sich ein Pony sein Leben überhaupt nicht vorstellen. „Was passiert mit unserem Körper, wenn wir durch das Licht gehen und nur Seele sind? Wir kennen das, wenn einer von uns stirbt. Aber dann kann man nicht mehr zurückkehren in den Körper.“ Die Engel sagten ihnen: „Doch wenn ihr nur zu Besucht seid und wir euch begleiten, dann könnt ihr euren Körper verlassen und wieder in ihn zurückkehren, wenn wir hierher zurückkehren und ihr den Himmel wieder verlaßt. Euer Körper geht mit durch das Himmelstor und löst sich dort auf. Wenn ihr wieder durch das Himmelstor zurück geht, setzt er sich wieder zusammen.“
Die Ponys haben zusammen beratschlagt und überlegt, ob sie sich auf dieses Wagnis einlassen sollten. Dann haben sie sich ein Herz gefasst, denn Ponys sind sehr neugierig. Sie wollten wissen, wie es im Himmel ausschaut. Sie wollten das unbedingt kennenlernen und sie haben sich gesagt: Die Engel haben uns hier auf der Erde vertraut, also vertrauen wir Ihnen auf der anderen Seite des Tores im Himmel. Dann sind sie Eines nach dem Anderen durch das flirrende Licht gegangen. Falls Ihnen jemand zugeschaut hätte, hätte es ausgeschaut, als ob eine ganze Ponyherde einfach so verschwindet.
Auf der anderen Seite haben die Ponys sich umgeschaut. Umschauen ist eigentlich das falsche Wort, sie hatten ja keine Körper und somit auch keine Augen mehr.
Die Ponys waren erst ein bisschen irritiert, für sie ist es so selbstverständlich in ihrem Körper zu sein, das nächste Pony zu sehen, zu riechen und zu spüren. All die Sachen, die sonst so wichtig für sie sind, um einander wahrzunehmen zu können sind plötzlich weg. Nachdem sie sich ein bisschen an dieser Art des Seins gewöhnt haben, konnten sie den Anderen spüren. Es ist so eine Art innere Wahrnehmung. Man riecht ihn nicht, man hört ihn nicht, man schmeckt ihn nicht, man kann sich nicht anrempeln, man kann kein Fell kraulen und trotzdem ist der Andere spürbar. Die Ponys fanden das lustig und fingen gleich an Miteinander zu spielen. Die Ponys fanden es sehr lustig, sich ohne Körper zu bewegen nur noch Energie zu sein. Die Engel mussten lachen und haben gesagt, „komm wir zeigen euch unsere Welt.“
Also ist die Herde aus Pony- und Engelseelen losgezogen, um den Himmel zu entdecken. Sie haben „die Liebe“ besucht, den Ort, wo die bedingungslose Liebe ist. Die grenzenlose Liebe für Jedes Wesen, gerade weil man ist, wie man ist. Und sie haben „die Verbindung“ und „Zugehörigkeit“ besucht, den Ort wo man spürt, dass man nicht alleine ist, sondern immer mit allen Verbunden, wie über ein tiefes unterirdisches Wurzelgeflecht. Die Ponys konnten spüren, wie es sich anfühlt, ganz ich und trotzdem ganz verbunden zu sein.
Die Engel haben auch „die Freude“ gezeigt, die Freude am puren Sein. Sie waren auch bei „der Freiheit“, „der Wildheit“ und „dem Mut“.
Die Engel haben ihnen aber auch die aber die Orte gezeigt, wo die nicht so angenehmen Gefühle sind. „Die Trauer“, weil man etwas verloren hat. „Die Wut“, weil man nicht auf seine Grenzen geachtet hat. „Die Hilflosigkeit“, „den Schmerz“ und „die Angst“.
Die Ponys haben gelernt, dass viele dieser Gefühle ihren Schrecken verlieren, wenn man die Liebe und Verbundenheit spüren kann. Untereinander und zum großen Ganzen. Und dass viele der Gefühle nur eine Handlungsaufforderung sind. Und dass sie alle zu uns gehören. Und wir erst, dann ganz sind, wenn wir uns trauen sie zu fühlen.
Nachdem die Ponys all dies erlebt haben, wurden sie von den Engeln zurück in ihre Welt und ihren Körper gebracht. Sie sind durch das flirrende Licht wieder in ihre Welt gegangen. Da standen sie nun und waren noch ganz aufgeregt über das, was sie erlebt haben und sie haben sich viel erzählt über die bedingungslose Liebe, über die Freiheit und Freude, darüber dass man nie alleine sein, kann weil man immer mit allem verwoben ist. Darüber, dass Trauer und Angst nicht bodenlos sind und sie gespürt werden sollen. Ihnen war plötzlich alles klar, sie hatten dies erlebt und gespürt. Sie galoppierten vor lauter Aufregung durch die Wälder und über die Wiesen. Berg auf und Berg ab. Die anderen Tiere haben den Kopf geschüttelt. Aber sie konnten spüren, dass hier was passiert ist. Etwas, dass sie auch kennen lernen wollten und sie haben sich auf gemacht, den Himmel zu besuchen.
Nach ein paar Wochen sind Menschen zu der Ponyherde gekommen. Sie wollten schauen, ob es ihnen gut geht, oder ob sich ein Pony verletzt hat und etwas braucht.
Als die Menschen bei der Herde waren und gesehen hatten, das alle gesund sind, haben sie sich ins Gras gesetzt und bei ihnen Pause gemacht. Sie haben den Ponys zugeschaut und vor sich hindöst und dann konnten auch sie spüren, dass mit ihren Ponys etwas passiert ist. Irgendwie sind sie anders. Sie sind strahlender und sehen grösser aus, obwohl sie körperlich nicht gewachsen sind. Und wenn man neben ihnen steht, kann man etwas spüren und lernen über Liebe und Freiheit, Wildheit und Freude. Über Trauer und Angst, Wut und Verletzlichkeit. Die Menschen verbrachten viel Zeit bei den Ponys und manche Träne ist geflossen, die von einem warmen Pferdeatem getrocknet wurde. Die Menschen konnte ihre Seele wieder spüren.
Die Ponys sind sehr glücklich, dass sie diese Gefühle mit den Menschen teilen können und das Wissen darüber vom Himmel mitgebracht haben.
Probiere es aus und stelle dich neben ein Pony oder ein anders Tier, werde ganz ruhig, mache nichts und schaue was passiert!
Maike Steiner